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Iran: Gesellschaft und
Politik der Gegenwart
Index
»Vor einigen
Jahren erhielt ich einen Brief aus Persien von einem Freund, der lange
Jahre gegen das Shah-Regime gekämpft hatte und nun Professor in Tehran
geworden war. Ich lernte ihn als Student in Deutschland kennen, als er es
nicht wagen konnte, seine Heimat zu besuchen. Während eigener
wissenschaftlicher Tätigkeiten in Iran konnte ich dann seine Familie
kennen lernen und ihr die Grüße aus Deutschland übermitteln. Viele Freunde
habe ich so in Iran gewinnen können. Und nun bekomme ich, wieder einmal,
einen sehr traurigen Brief, aus dem ich einige Stellen zitieren möchte:
... „aber ein Visum von der Deutschen Botschaft zu kriegen, ist unheimlich
schwer geworden. Es dauert zwei oder mehr Monate, bis man einen Termin zur
Abgabe seiner Papiere an die Botschaft kriegt. Vorher muss man natürlich
zwölf bis sechzehn Stunden, d.h. die ganze Nacht, vor der Botschaft stehen
bleiben. Am schwierigsten ist es am Termintag, denn an dem Tag herrscht an
der Botschaft völlige Anarchie, d.h., wer kräftiger ist, geht schneller in
die Botschaft rein und die Botschaftsangehörigen behandeln die Menschen
aus jeder Schicht sehr unhöflich und unfreundlich. wie ich es in den
ganzen Jahren, die ich in Deutschland war, nie erlebt habe. Sie haben sich
an die Lage im Lande ganz gut angepasst. Ich muss so sagen, dass das Leben
in diesem Lande wirklich unangenehm und schwer geworden ist. Deshalb habe
ich vor, wenn ich mal die Gelegenheit habe, auszuwandern. Da ich lange in
Deutschland gelebt und studiert habe, würden wir lieber in Zukunft in
Deutschland leben.“ Dieser Brief ist im Stil noch sehr gemäßigt, da er ja
die Briefzensur passieren musste. Die mündlichen Berichte meines Freundes
einige Zeit später bei der Durchreise nach USA, wo er schließlich durch
verwandtschaftliche Beziehungen mit seiner Familie eine neue Heimat
gefunden hat, da ihn Deutschland nicht aufnehmen wollte, waren geprägt
von Entsetzen über den Zusammenbruch der Hoffnungen und Erwartungen an die
Zeit nach der Revolution, waren geprägt durch den Trauer über den Zerfall
der Familie, das Einschleichen des Misstrauens zwischen Freunden, waren
geprägt durch die Angst um die Verwandten und zeigten schließlich die
Erleichterung, wenigstens Frau und Kinder aus dem Umkreis religiösen
Fanatismus und Drohung durch den Terror des Golfkrieges gerettet zu
haben.«
- Er und seine Familie kamen wegen massiver politischer Verfolgungen in
Iran auf getrennten Umwegen über Deutschland (wir konnten dabei helfen)
wieder nach Europa und von hieraus in die USA, wo ein Vetter von ihm
vorsorglich eine „Green Card“ für ihn erworben hatte. In den USA wurden
seine ganzen in Deutschland mit Auszeichnung erworbenen Qualifikationen
ebenso wenig anerkannt (Habilitation u.a.) wie seine Professur in Tehran,
sondern er musste als einfacher Veterinär in einem Schlachthof in Keota in
der „Fleischbeschau“ sein Leben fristen... Auch das sind der politischen
Lage geschuldete Exil-Schicksale.
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